Ingeborg Bachmann
Von Birgit Lutz

"Manchmal werde ich gefragt, wie ich als Kind in einem Dorf groß geworden, zur Literatur gefunden hätte. - Genau weiß ich es nicht zu sagen; ich weiß nur, dass ich in einem Alter, in dem man Grimms Märchen liest, zu schreiben anfing, dass ich ungern arbeitete und gern am Bahndamm lag, meine Gedanken auf die Reise schickte, in fremde Städte und Länder und an das unbekannte Meer, das irgendwo mit dem Himmel den Erdkreis schließt." (Originalton Ingeborg Bachmann 1952). Geboren wurde die Schriftstellerin am 25. Juni 1926 in Klagenfurt. Sobald sie es sich leisten konnte, ging Bachmann nicht mehr nur in Gedanken auf Reisen. Nach ihrem Studium in Graz, Wien und Innsbruck und ihrer Promotion in Philosophie 1950 lebte sie zuerst in Paris, später in London, Rom, Berlin, München und Zürich. Bachmann war keine verklärte Lyrikerin, sondern interessiert an Politik und besonders an Österreichs Beziehung zum Nationalsozialismus und dessen Aufarbeitung in der Nachkriegszeit. In ihrer Dichtung drückt sich melancholisch die Situation der "Nachgeburt der Schrecken aus" - der Generation, die durch den Nationalsozialismus ihrer Jugend beraubt worden war. Die Schriftstellerin beschäftigte sich nicht nur in ihren Werken mit politischen Vorgängen: 1958 trat sie dem "Komitee gegen die atomare Aufrüstung" bei, das sich gegen die Atombewaffnung der Bundeswehr richtete. Als Mitglied der Gruppe 47 schloss sie sich der Klage gegen den CDU-Politiker Josef-Hermann Dufhues an, der die Gruppe als "Reichsschrifttumskammer" bezeichnet hatte. 1965 trat sie in einem Brief an Simon Wiesenthal für eine Verlängerungsfrist für Naziverbrechen ein. 1965 unterschreibt sie die "Erklärung gegen den Vietnamkrieg". Für ihre Werke erhielt die österreichische Schriftstellerin zahlreiche Auszeichnungen: 1953 ließ sie sich erstmals für längere Zeit in Rom nieder und schrieb dort das Gedichtbändchen "Die gestundete Zeit", für das sie den Literaturpreis der Gruppe 47 erhielt. Für ihr Hörspiel "Der gute Gott von Manhattan", das das ZDF 1972 auch in einer Fernsehversion zeigte, wurde sie mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden 1958 ausgezeichnet. Für ihren ersten Erzählband "Das dreißigste Jahr" erhielt sie 1961 den Preis des Verbandes der deutschen Kritiker. 1964 folgte der Georg-Büchner-Preis, 1968 der "Große Österreichische Staatspreis". Im Oktober 1973 starb Ingeborg Bachmann in Rom an schweren Brandverletzungen. Sie war beim Rauchen im Bett eingeschlafen.

 

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