Gedicht 12

Die Heilige Nacht im Wandel der Zeit.

Als ich ein Kind noch gewesen, das ist schon lange her,
da war Weihnachten ein Erlebnis, ein Märchen und noch viel mehr.
Es gab nur kleine Geschenke, denn wir waren ja nicht reich,
doch diese bescheidenen Gaben kamen dem Paradiese gleich.

 

Da gab es Äpfel und Nüsse, mitunter auch ein paar Schuh
und wenn es die Kasse erlaubte, ein kleines Püppchen dazu.
Wie war doch das Kinderherz selig ob all´der herrlichen Pracht,
und es war ein herrliches Raunen um die stille Heilige Nacht.

 

Denn wurde ich älter und größer und wünschte mir das und dies
und hörte auf, an das Christkind zu glauben und verlor dabei das
Paradies
Und dann kam der Krieg mit all seinen Leiden, mit Hunger und mit Not,
da wurde ich wieder bescheiden und war dankbar für ein Stück Brot.

Wir alle wurden da kleiner, und nur ein Wunsch hatte die Macht,
wir wollen vereint sein mit unsern Lieben in der stillen Heiligen Nacht.
Doch der Wunsch erfüllte sich selten, denn die lagen draußen
und hielten die Wacht, und wir waren einsam und weinten
in der stillen Heiligen Nacht.

Und als dann der Krieg war zu Ende, wuchs eine neue Jugend heran,
und die hatten auch ihre Wünsche an den lieben Weihnachtsmann.
Nur waren die nicht klein und bescheiden,
denn der Wohlstand kam ins Land.
Die Wünsche wurden größer und größer,
und das Schenken nahm überhand.

 

Nun wird gewünscht udn gegeben, un keiner fragt nach dem Wert,
vergessen sind Krieg und Armut und die Stunden am einsamen Herd.
Aus dem schönsten der christlichen Feste hat der Mensch
einen Jahrmarkt gemacht,
wer wünscht sich vom Besten das Beste und vergisst den Sinn
der Heiligen Nacht...


Ingrid Gerbig und Günter Gabsch

 

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